Geschichte der Antarktis

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Das Vorhandensein eines südpolaren Kontinents („Terra australis“) wurde bereits im 16. Jahrhundert vermutet. In den Folgejahrhunderten wurde diese These durch Berichte von Fahrten durch südpolare Gewässer (zum Beispiel: James Cook, 1775) unterstützt. Konkret nachgewiesen wurde die Existenz der Antarktis aber erst 1820 nahezu gleichzeitig durch Besatzungen russischer, US-amerikanischer und britischer Schiffe. Wem von diesen Seeleuten letztlich die Ehre gebührt, als erster Mensch die Antarktis erblickt zu haben, ist strittig. Es ist auch strittig, ob der US-Robbenjäger John Davis (1785-?), wie oft behauptet, wirklich der erste Mensch war, der, am 7. Februar 1821, bei einem Landgang die Antarktis betreten hat. Nach diesen Entdeckungen verschwand die Antarktis in den folgenden Jahrzehnten zunächst weitgehend aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Erst am Ende des 19. Jahrhunderts, das unter anderem durch den Höhepunkt des Kolonialismus europäischer Mächte sowie durch rasante Entwicklungen in Wissenschaft und Technik geprägt war, begann ein, durch einen 1895 von der Royal Geographic Society in London veranstalteten Kongress ausgelöstes Rennen zum Südpol. Dabei ging es für die Forscher nicht nur um die Erlangung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Mindestens ebenso wichtig war der Aspekt des nationalen Prestiges bei dem Projekt, den Südpol per Expedition zu erreichen. Die erste Südpolexpedition dieses bis Mitte der 1920er Jahre dauernden „Goldenen Zeitalters der Antarktisforschung“ war die belgische „Belgica-Expedition“ (1897-1899). 1901 bis 1904 leitete der britische Marineoffizier Robert Falcon Scott (1868-1912) die berühmte, nach Scotts Schiff benannte „Discovery-Expedition“, bei dem sich Scott bis auf 850 km dem Pol genähert hatte.

Nachdem der anglo-irische Brite Ernest Shackleton (1874-1922), ein Konkurrent von Scott, im Jahr 1909 („Nimrod-Expedition“) lediglich 92 Meilen vor dem Südpol hatte umkehren müssen, entbrannte zwei Jahre später das entscheidende Wettrennen zwischen Robert Scott und dem norwegischen Polarforscher Roald Amundsen (1872-1928). Der Norweger erreichte am 14. Dezember 1911 als erster Mensch den Pol. Am 17. Januar 1912 folgte ihm die fünfköpfige Scott-Gruppe, die auf dem Rückweg umkam. Das auf dieser „Terra Nova-Expedition“ von Scott bis zu seinem Tod geführte Tagebuch gehört zu den ergreifendsten Dokumenten der Wissenschaftsgeschichte.

Seit den 20er Jahren wurde die Antarktis vornehmlich per Flugzeug erkundet. Versuche, Teile der Antarktis zu annektieren, blieben rein deklamatorisch und entwickelten keine völkerrechtliche Wirkung. Dazu zählt auch der Flaggenabwurf aus einem deutschen Flugzeug, durch den 1938 symbolisch der Anspruch auf ein Fünftel des Kontinents als „Deutsch-Neuschwabenland“ erhoben wurde. 1952 kam es zur Beschießung von britischen Forschern durch argentinische Soldaten auf der von Argentinien benanspruchten „Antarktischen Halbinsel“.

Durch den 1961 in Kraft getretenen, zunächst auf 30 Jahre befristeten, und 1991 bis 2041 verlängerten „Antarktis-Vertrag“ wurde festgelegt, dass Argentinien, Chile, Australien, Neuseeland, Großbritannien, Frankreich und Norwegen ihre Ansprüche ruhen lassen und die Antarktis gemeinsam und ausschließlich für friedliche Zwecke genutzt werden darf. Dem Antarktis-Vertrag gehören mittlerweile 45 Staaten, darunter auch Deutschland, an.